Erfahrungsbericht eines Twitter-Nutzers

 

About Twitter

Erfahrungsbericht eines Nutzers

 

Wenn man in den letzten Monaten die gängigsten Nachrichtenmagazine und Internetportale verfolgt hat, so kam man nicht umhin, dem Begriff „Twitter“ in irgendeiner Weise zu begegnen. Sei es, dass Augenzeugen berichten, wie sie vor der Schule während des Amoklaufs in Winnenden stehen1, dass die SPD Wahlergebnisse schon vor der Veröffentlichung in die weite Welt posaunt2 oder Herr Kutcher das Hinterteil seiner herzallerliebsten Demi zur Schau stellt3. Doch was ist nun genau dieses „Twitter“, dessen Wappen ein unscheinbarer kleiner Spatz ist. Denn so unscheinbar scheint sich dieses Twitter garnicht geben zu müssen, wenn man einen kurzen Blick auf die enorme Wachstumsrate dieses Dienstes wagt. So hat Twitter Ende April 2009 schon etwa 1 Million deutschsprachige Nutzer und die Benutzerzahlen verdoppeln sich weltweit monatlich4.

Um das Phänomen um Twitter verstehen zu können, muss man zuerst Twitter selbst verstehen. Wie benutze ich denn Twitter? Was kann ich damit tun? Und warum sollte ich es denn nutzen?


Grundsätzlich ist es denkbar einfach, sich der Twitter - Gemeinde anzuschließen. Man erstelle einen Account auf www.twitter.com , beschreibe sich kurz, gebe sich ein Foto und schon kann man behaupten, dass man ein Teil des aktuellen Hypes ist. Nach etwa 10 Minuten fragt man sich dann aber, was denn nun das tolle an dieser Plattform sei, denn es befinden sich ja Millionen von Benutzer auf diesem Portal und keine Seele interessiert sich für einen selbst.


Doch wie kann ich denn nun mit dieser ach so tollen Community interagieren?


Mit Tweets (dt. „Zwitscher“. Ein Tweet ist eine Nachricht, die aus 140 Zeichen besteht. Diese 140 Zeichen können jeglichen Nonsense der Menschheit enthalten. Privatsphäre ist generell ein Fremdwort für Twitter, denn alle Tweets, die man verfasst hat, sind (anfangs) öffentlich einsehbar. So erhält jeder Benutzer eine eigene Webseite auf dem Webportal von Twitter, die sich aus der URL und dem Benutzernamen zusammenstellt (z.B. http://twitter.com/britneyspears ). Somit ist es nun sehr einfach, seinen Freunden den Zugang zu seinem „öffentlichen Privatleben“ zu ermöglichen, indem man diesen einfach diese URL zusendet. Das ist jetzt schon eine unheimlich tolle Sache, aber der Mehrwert erschließt sich bis dahin noch nicht. Richtig. Der Mehrwert ergibt sich darin, indem man anderen Leuten folgt und verfolgt wird – in Twitter-Sprache reden wir von „followen“. Jeder Benutzer erhält von Twitter eine sogenannten Timeline. Diese Timeline enthält alle Tweets, die man selbst oder die Menschen verfasst haben, denen man „followed“. Und genau hier setzt der Mehrwert ein. Zu Beginn eines jeden Twitter-Daseins gilt es also, den Menschen zu folgen, deren Interessen einem selbst am nähesten sind. So wird also ein Flash-Entwickler nach Persönlichkeiten innerhalb der Flash-Plattform suchen, weil er davon ausgehen kann, dass diese Menschen für ihn relevante Tweets verfassen, die seinen Interessen entsprechen.
Man findet also diese Leute, weil sie von ihren Weblogs auf ihre Twitter-Webseite verlinken oder weil man diese über die interne Twitter-Suche anhand von bestimmen Stichworten gefunden hat (die sich auf die zuvor erwähnte eigene Beschreibung beziehen). So baut man sich zu Anfang seines Twitter-Lebens erstmal eine gesunde Basis auf, mit den Menschen, von denen man erwartet, dass diese einem selbst einen Mehrwert an Informationen bietet.


Bisher ist die Interaktion mit Twitter doch recht einseitig, so dass bis auf das Verfassen von eigenen Tweets, sich die zwischenmenschliche Kommunikation doch recht in Grenzen hält.


Doch auch dies ist in Twitter möglich. Durch einen sogenannten Reply landet der eigene verfasste Tweet auch in der Timeline des Menschen, welchen man direkt anspricht. Das Besondere ist nun dies, dass man auch Leuten antworten kann, die einem nicht folgen und/oder denen man nicht folgt. Ein Reply sieht in etwa so aus:

"@Jana:scheine da doch mit dir und @Chris einer Meinung zu sein"

Dieser Tweet würde nun also in der Timeline von Chris und Jana angezeigt werden, ob diese nun dem Verfasser followen oder nicht, ist in dem Fall egal. Sicherlich sind diese dann interessiert, von dem dieser Tweet kam, schauen sich die Timeline des Verfassers an und folgen diesem dann bei Interesse.

Twitter basiert also durchaus auf einem Schneeballprinzip und dem Motto „Sehen und Gesehen“ werden. So macht es durchaus Sinn, gerade berühmten Personen zu „replyen“, da ja in der öffentlichen Timeline des Benutzers, dann mein Name und mein Tweet auftaucht.
Direkte Nachrichten in Twitter sind auch möglich, aber nur, wenn sich die Beteiligten gegenseitig folgen. Dies ist ein Sicherheitsmechanismus, der Spam vorbeugen und die Privatsphäre schützen soll, da man sonst von wildfremden Personen Nachrichten geschickt bekäme.


Direkt Nachrichten werden folgendermaßen gesendet:


"dm Jana Alles klar bei dir?"

Eine „direct message“ erscheint nicht in der öffentlichen Timeline und ist nur dem angemeldeten Benutzer ersichtlich.
Was einem sofort auffällt, ist das kontextsensitive Nachrichten wie in Chats und spezifischen Räumen so nicht möglich sind, da es ja keine Kategorisierung der Tweets gibt und nur eine Timeline vorhanden ist.
Doch auch hier gibt es eine doch recht pragmatische Lösung für. Twitter hat zu diesem Zwecke die sogenannten „Hashtags“ eingeführt, die es erlauben, einen Tweet zumindest für Suchmaschinen indizierbar und somit kategorisierbar zu machen.

Nehmen wir an, man befinde sich derzeit auf einer Messe und möchte nun einen Tweet verfassen, der im Kontext dieser steht, so dass andere Benutzer (eventuell sogar auch Besucher) der Messe diesen Tweet einordnen und finden können, so verfasst man diesen folgendermaßen:

"Diese Messe ist der Hammer!#beautymesse09"

Mithilfe der Suchmaschine www.hashtags.org und www.search.twitter.com kann nun nach diesem Hashtag gesucht werden und es werden Verfasser und Tweet in Korresponz zu dem Suchbegriff gelistet. Ein etwas makaberes Beispiel war der Hashtag #winnenden, der zum damaligen Amoklauf durchaus die aktuellsten Tweets von Personen vor Ort als Ergebnis aufzeigte. Als Hashtag kann jeglicher Begriff verwendet werden. Hashtags dienen also, um einen virtuellen Raum (ermöglicht durch Twitter-Suchmaschinen) zu schaffen, um themen- und ereignisbezogene Tweets sammeln zu können. Es macht durchaus Sinn, sich einem Hashtag anzuschließen und einen eigenen Tweet dazu zu verfassen, um seinen Kreis an Followern zu erweitern. Oben genannte Suchmaschinen bieten einem auch die aktuellen Trend-Hashtags an. So sieht man, was derzeit in der Twitter-Gemeinde am meisten besprochen wird5.


Dies war es auch schon, was Twitter von Haus aus zu bieten hat. Jedoch haben die Macher von Twitter einen entscheidenden Schritt gemacht (schon von Beginn an), um die Popularität dieser Plattform zu steigern – nämlich, dass jeder für Twitter eigene Programme schreiben und sich der Funktionalität der Plattform bedienen kann.
Was das heißt? Ganz einfach. Dadurch ist es zum Beispiel ohne weiteres möglich, Fotodienste für Twitter zu entwickeln, GoogleMaps in seine Tweets einzubauen (und umgekehrt) oder einfach Twitter für Handys anzubieten. So ist es nun möglich, einen Tweet auch auf geografischer Ebene spezifizieren zu können. Oder Tweets und Verfasser zu finden, die sich im Umkreis der eigenen Stadt befinden. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben, sind unendlich.


Doch weshalb sollte man denn nun Twitter verwenden? Warum verwende ich eigentlich Twitter? Ich verwende es schlicht und einfach, um Informationen zu publizieren und diese so schnell wie möglich aus erster Hand zu konsumieren und weil es mit steigender Anzahl an eigenen Followern Spaß macht, anderen Menschen einen Mehrwert durch seine Präsenz zu erzeugen. Ich wusste schon vor den Menschen, die TV verfolgen, dass ein Airbus der AirFrance verschwunden ist. Ich wusste schon vor den Menschen, die Zeitung lesen, dass es Schweinegrippefälle in Deutschland gab. Ich weiß vor vielen anderen Menschen, wo es Lesungen zu meinen Programmierinteressen gibt. Und ich kann eine ganze Community mittels eines simplen Hashtags fragen, ob sie mir kurz helfen kann – wenn es meine eigenen Follower nicht schon längst getan haben.
Jobangebote in Twitter, Sportereignisse in Twitter, Rabattcoupons in Twitter, und..und..und.


Virales Marketing findet also seinen Höhepunkt in Twitter, denn auf keiner anderen Plattform werden Themen, Begriffe und Nachrichten so schnell verbreitet und vervielfältigt wie dort. Dies wissen Firmen und somit beteiligen sich auch viele Magazine, Firmen und Berühmtheiten an Twitter, was keineswegs schlecht ist. Durch die Beschränkung auf 140 Zeichen halten sich die Marketingfloskeln in Grenzen und grundsätzlich erfährt man doch
5 http://hashtags.org/trends/now
Diese Messe ist hier der Hammer! #beautymesse09
gerne aus erster Hand vom Hersteller eines Lieblingsproduktes, was dieser neues zu bieten hat.

Vor- und Nachteile:

Es ist schwer, die Vor- und Nachteile von Twitter zu nennen, denn ein Vorteil ist mit anderer Betrachtungsweise auch ein Nachteil und somit muss jeder selbst wissen, ob „seine“ Vorteile den Nachteilen überwiegen und sich eine Beteiligung an Twitter lohnt. Ich versuche es dennoch, kurz die Vor- und Nachteile aufzulisten:


Vorteile:
- Schnelle Kommunikation (man erreicht sofort jemanden, da man alle anspricht)
- Gebündelte Informationen (durch Beschränkung auf 140 Zeichen)
- Aktuelle Informationen (schneller als die Presse)
- Interessengemeinschaften ergeben sich schnell (durch replies)
- Informationen aus erster Hand
- Wenig Spam
- Tweets kann man schnell nebenbei lesen
- Technologie erweiterbar


Nachteile:
- Keine bestätigten Informationen (Presse ist „sicherer“
- Zuwenig Text verfügbar
- Zu große Community (wo fange ich zu Beginn an)
- Keine richtigen Konversationsmöglichkeiten (Kanal beschränkt)
- Follower sind (oftmals) keine Freunde (kein ICQ-Prinzip)
- Follower-geil (trending-topics (hashtags) benutzen, um    Interessen zu heucheln) und somit Follower zu ziehen
- Datenkrake Twitter

 

 Fazit:

Als kurzes Fazit möchte ich sagen, dass ich Twitter nicht mehr missen möchte und ich sogar Twitter einem RSS-Feed und/oder Weblog vorziehe, da ich gerade beim Arbeiten nicht die Zeit habe, mir einen ewig langen Text durchzulesen (so wie dieser hier), nur um irgendwann auf die Essenz dessen zu stoßen.
Die Zukunft wird jetzt wohl bald ein Geschäftsmodel für Twitter entstehen. Mal schauen, welche Veränderungen dies für Millionen von Nutzern mit sich bringt.

 

 Quellen:

1 http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,612747,00.html
2 http://twitter.com/UlrichKelber/status/1892752611
3 http://twitpic.com/2bj58
4 http://www.absolit-blog.de/studien-internet/twitter.html

 

Jana am 22.6.09 21:51

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen